LIDO Kunstmühle Feliks Büttner e.V.

Feliks Büttner - Malerei
Egon Wrobel - Keramik

Forum Waldenburg im
Dresdner Blobelhaus
Ausstellungseröffnung
20. November 2020  18 Uhr
Musik  Joe Sachse
 

DIE AUSSTELLUNG MUSS LEIDER WEGEN DER AKTUELLEN CORONABESTIMMUNGEN AUF EINEN SPÄTEREN TERMIN VERSCHOBEN WERDEN.

 

reich scheißt auf arm!

Gewiss, diese Parole ist vulgär - unsittlich, anzüglich und alltäglich vertraut zugleich. Doch man kann sie auch umgekehrt meinen: arm scheißt auf reich! Ungefähr so, wie die französischen Sansculotten, revoltierende Frühproletarier und lohnabhängige Besitzlose also, die am Beginn der Revolution im Jahr 1789 die Sturmglocken von Notre-Dame de Paris geläutet hatten, um alsbald eben dieselben aus ihren Angeln zu reißen oder in andere wehrhafte Rasereien zu verfallen. Indessen, Feliks Büttner, der drastische Stichwortgeber zu solch zirkulierendem Taumel, ist kein Umstürzler. Aber ein Provokateur ist der Zeichner und Graphiker schon. Nicht von sich zu reden, käme einer Leisetreterei gleich. Eher agiert da ein frivoler Menschenfreund, respektlos, bisweilen keck und, im Wortsinn, vorlaut – bei all der verstiegenen Abstempelung in die sozialen Pseudoreservate von Unter-, Mittel- und Oberschichten oder gar bei dem flachen Klimbim um die sogenannten »Reichen und Schönen«. Nein, man muss dabei nicht an Neid über geldwerten Luxus sowie dessen vermeintlich ungerechte Verteilung denken. Sowieso war und ist Missgunst in Mode. Doch immer gibt es, gerechterweise, ein Für und ein Wieder. Heikel ist indessen die zunehmende kulturelle Anspruchslosigkeit des Erwerbs von merkantilem Reichtum, zudem banalisiert durch eine medial abgedroschene Dauerbelästigung. So oder so, egal wessen imaginärer Stuhlgang auf wem landet, stets bleibt eine üble Bekräftigung, aufgebläht durch den halb oder ganz und gar unverdauten Unrat haltloser Richtlinien, Beteuerungen oder eingeredeter Verhaltensmuster. Diese Mutmaßung wäre dann systemimmanent. Haben und Nichts haben?
»Mancher weiß nicht, wie reich er ist, bis er erfährt, was für reiche Menschen an ihm noch zu Dieben werden.« So notiert es der Philosoph Friedrich Nietzsche in seiner Rubrik
»Fröhliche Wissenschaft«.

Ulrich Kavka, Berlin im Januar 2019